Entscheidungsfindung

Hier findest Du eine Auswahl der Methoden, mit denen wir unsere Kund:innen dabei unterstützen fundierte Entscheidungen zu treffen.

ADVOCATUS DIABOLI

Funktion

In einer Diskussion übernehmen eine oder mehrere Personen die Rolle des Advocatus Diaboli (= Anwalt des Teufels). In dieser Rolle nimmt die Person
bewusst die Gegenposition ein und hinterfragt besonders kritisch. Er zeigt alle Nachteile bzw. kritischen Punkte auf.
Dieses Verfahren kann auf inhaltliche Positionen, auf thematische Aspekte, auf Intentionen einer Veranstaltung oder auf Wünsche und Erwartungen der Teilnehmenden bezogen werden.

Zweck und Absicht

In einer Diskussion zu den geäußerten Positionen werden durch Gegenargumente bisher nicht hinterfragte Positionen kritisch beleuchten und Nachteile aufgezeigt.
Durch die Betrachtung aus mehreren Perspektiven und die (Selbst-)Reflektion (Widerspruch & Kritik) wird sich über ein Thema aus unterschiedlichen Perspektiven informiert und zu kritischen Positionen Stellung bezogen.
Es wird ein „oberflächlicher“ Konsens vermieden und neue Lösungsansätze aus der Situation heraus entwickelt

Flexibilität

Es besteht eine klare Rollendefinition (Standpunktvertretung „Advocatus Diaboli“), jedoch können verschiedenste Themen abgehandelt werden.

Dauer

Bis 20 Min.

Teilnehmer:innen

Ab 2 (Partnerarbeit/Plenum)

Aufwand

Ggf. Vorbereitung von Gegenargumenten.

Output

Maßzahl: kritisch hinterfragen, Stellung beziehen und anschließend Lösungsansätze entwickeln.

Onlinefähigkeit

Online kann diese Methode mit jeglichem Kommunikationstool durchgeführt werden.

Material (Was brauche ich?)

Kein Material notwendig. Wenn der Wunsch besteht, können die Gegenargumentation auf Papier vorbereitet werden.

Anleitung (Wie gehe ich vor?)

Theoretisch ist die Methode jederzeit spontan einsetzbar, wenn es eine festgefahrene Position / Idee gibt, welche „gestresst“ werden soll. Es macht jedoch durchaus Sinn, dass der Advocatus Diaboli Zeit zur Vorbereitung seiner Rolle hat.

Daher empfehlen wir folgendes Vorgehen:
Vor dem Einstieg in die Methode: Position und Gegenposition (Advocatus Diaboli) bereiten Ihre Argumentation vor.

Start der Methode: Die bestehende und dominante Position wird vorgestellt und dann vom Advocatus Diaboli angezweifelt und kritisch hinterfragt. Es geht darum bewusst provokativ anders zu denken. Nach Beendigung der Wechselrede sollte das Thema vertiefend behandelt werden, z.B. in Form einer Diskussion oder Gruppenarbeit zu verschiedenen Aspekten der Widerrede.
Gab es Auffälligkeiten während der Diskussion?
Welche Schwierigkeiten sind aufgetreten?
Sind durch die nicht hinterfragten Rollen Synergieeffekte entstanden?
Welches ist/war das stärkstes Argument?
Hat sich die Position geändert?

ENTSCHEIDUNGSBAUM

Funktion

Ein Entscheidungsbaum visualisiert einen mehrstufigen Entscheidungsprozess aller Entscheidungsoptionen. Es dient als Entscheidungsunterstützung, indem über Verästelungen verkettete Entscheidungen visualisiert werden. Die Beschreibung aller Entscheidungsoptionen sind durch formale Regelungen klar strukturiert.

Zweck und Absicht (Warum und wann anwendbar?)

Durch die Konzeption eines Entscheidungsbaums können komplexe Entscheidungsprobleme transparent dargestellt und Zusammenhänge einzelner Entscheidungswege erkannt werden. Allerdings entstehen, bei der Visualisierung sehr komplexer Zusammenhänge, Informationsverluste. Somit liegt der Fokus auf dem schnellen Ableiten von Entscheidungsoptionen und auf der Funktion als Entscheidungsunterstützung.

Flexibilität

Auf viele Arten der Entscheidungsfindung anwendbar. Ermöglicht hinsichtlich der Entscheidungsproblematik einen individuellen Detaillierungsgrad.

Dauer

Ab 30 Min
Ist abhängig von der Komplexität der Ausgangssituation und dem Detaillierungsgrad des Entscheidungsbaums.

Teilnehmer:innen

Ab 1 (Einzelarbeit/Teamarbeit)

Aufwand

Es besteht kein Aufwand. Lediglich die darzustellende Komplexität („Darstellungstiefe“) muss im Vorfeld definiert werden.

Output

Maßzahl: Verständnis für systematisch abgeleitete Entscheidungsoptionen und deren anschließende Beurteilung.

Onlinefähigkeit

Online kann diese Methode z.B. in MURAL oder Power-Point durchgeführt werden.
In MURAL (digitales Whiteboard) können anhand vordefinierter Prozess-Abbildungen (z.B. Dreiecke als Endknoten) individuelle Baumdiagramme konstruiert werden.

Material (Was brauche ich?)

Zettel, Stifte, Brownpaper
Online-Tool (MURAL, Power-Point etc.).

Anleitung (Wie gehe ich vor?)

1.) Vorbereitung – Klärung von Formalitäten
Visualisierung entweder von oben nach unten oder von rechts nach links.
Definieren Sie im Vorfeld die Aktionen durch Formen: Rechtecke als Entscheidungsknoten für die Gegebenheiten, Kreise für die Beschreibung der Zustände und Angabe der Wahrscheinlichkeiten, Dreiecke symbolisieren Endknoten als Konsequenz der einzelnen Entscheidung, Äste stellen den Entscheidungsweg dar.
Auf jeder Ebene des Entscheidungsbaums können entweder nur Entscheidungen oder nur Zustände resultieren.
Summe der Eintrittswahrscheinlichkeiten aller Zustandsknoten eines Astes muss 100% ergeben.


2.) Durchführung – Erstellung Entscheidungsbaum
Beginnen Sie mit einem Entscheidungsknoten („Anfangsknoten“), welcher die betrachtete Entscheidungssituation visualisiert.
Ausgehend vom Anfangsknoten, werden Entscheidungswege als Äste dargestellt, welche in eintretenden Zuständen (Zustandsknoten) sowie in weiteren Gegebenheiten (Entscheidungsknoten) münden. Am Zustandsknoten wird die Wahrscheinlichkeit des Eintretens notiert. Diese Verzweigungen werden solange fortgesetzt, bis keine Entscheidungen mehr gefällt werden können.
Am Ende jedes Entscheidungsweges werde Dreiecke (Endknoten) eingezeichnet.

Bewerten Sie nach der fertiggestellten Baumstruktur die Entscheidungsoptionen. Hierzu werden die Wahrscheinlichkeiten der Zustandsknoten
multipliziert, sodass der Nutzen der jeweiligen Entscheidungsoption ermittelt wird.

3.) Kontrolle – Überprüfung der Entscheidungsbaumstruktur
Überprüfen Sie nach der Fertigstellung nochmal jedes Element, ob es noch weitere Alternativen gibt, es zu unübersichtlich, detailliert oder nicht nachvollziehbar ist.
Dahingehend müssen Änderungen vorgenommen oder ggf. ein neuer Entscheidungsbaum erstellt werden.

PERSPEKTIVEN^3

Funktion

Die Methode Perspektiven^3 stellt die drei verschiedenen Perspektiven des Denkens dar, welche für den Entscheidungsprozess wichtig sind:
• Rational – logistisch, systematisch und strukturiert, basierend auf Fakten
• Emotional – teilen von Erfahrungen und Gefühlen
• Politisch – Was sind die Auswirkungen, wenn ich diese Entscheidung treffe? (Macht, Einfluss, Image)
So können die persönlichen Ziele jeder einzelnen Person in Bezug auf den Entscheidungsprozess besser verstanden werden und die Komplexität der Entscheidungsfindung reduzieren.

Zweck und Absicht (Warum und wann anwendbar?)

Ein Entscheidungsprozess findet i.d.R. in einer Gruppe statt. Deswegen müssen sowohl die gemeinsamen Gruppenziele, als auch die persönlichen Ziele der Gruppenmitglieder verstanden und in den Entscheidungsprozess mit eingebunden werden. Die Methode Perspektiven^3 unterstützt bei dem Verständnis und der Erörterung der verschiedenen Positionen und Ansichten. Hinsichtlich der Entscheidungsfindung ist es essenziell, dass jedes Gruppenmitglied und dessen rationale, politische und emotionale Ansichten, verstanden werden. Nur so können alle von dem gemeinsamen Entscheidungsprozess überzeugt und ein gemeinsamer Spirit erzeugt werden.

Flexibilität

Die drei betrachteten Perspektiven können, je nach Entscheidungsprozess, mit unterschiedlichem Schwerpunkt beleuchtet werden. Die Methode ist online durchführbar.

Dauer

Ab. 20 Min

Teilnehmer:innen

Ab 3 (Teamarbeit)

Aufwand

Ggf. Vorbereitung eines Whiteboards zum Sammeln der Argumente.

Output

Maßzahl: Findung einer gemeinsamen Entscheidung unter Berücksichtigung der Auffassungen der Beteiligten.

Onlinefähigkeit

Online kann diese Methode z.B. in MURAL durchgeführt werden. Hier kann ein Board für die Visualisierung der Perspektiven^3 erstellt werden. Anhand des MURAL-Boards kann die Methode anschließend durch einen Moderator durchgeführt werden.

Material (Was brauche ich?)

Flipcharts, Stifte, Post-Its oder virtuelles Whiteboard (z.B. MURAL)

Anleitung (Wie gehe ich vor?)

  • Emotional – Was bedeutet die Veränderung persönlich für mich? Wird sich meine Position in den Augen der Anderen ändern? Werde ich fähig sein, die Veränderungen in Bezug auf meine Position zu bewältigen?
  • Politisch – Werde ich Weisungsbefugnisse über meine bisherigen Ressourcen, Personen oder Entscheidungsfelder verlieren? Werde ich in meiner Position weiterhin Einfluss auf Entscheidungen nehmen können, die mich und mein Umfeld betreffen?
  • Rational – Ist die Änderung für das Unternehmen richtig und strategisch zielführend? Wurden die besten Entscheidungsalternativen zur richtigen Zeit und mit der passenden Strategie ausgewählt?

2.) Überprüfen Sie als Moderator:in, welche „Perspektive“ die Gruppenmitglieder am meisten beschäftigt bzw. beeinflusst. Passen Sie dementsprechend ihr weiteres Vorgehen an und argumentieren Sie in der gleichen „Perspektive“.

3.) Hinsichtlich der Interaktion innerhalb der Gruppe sind einige Hinweise zu beachten:

  • Perspektivisch reagieren – emotionale Reaktionen nicht mit rationalen Rechtfertigungen entgegnen
  • Anlass der Reaktion – verstehen von Gefühlen und Ängsten zu einer bestimmten Reaktion
  • Gefilterte Wahrnehmung – rationale Argumente können bei dem Gegenüber politische oder rationale Denkweisen hervorrufen. 

PLANNING POKER

Funktion

Planning Poker ist eine Methode in Scrum (agiles Projektmanagement), die eine Aufwandsschätzung von User Stories, innerhalb eines Entwicklungsteams, der Auftraggeber:in (Product Owner) sowie der:m Moderator:in (Scrum Master) ermöglicht. Die Methode ist aber auch bei nicht greifbaren Ideen, Aufgaben, Maßnahmen u.v.m. anwendbar. Hierzu muss die Aufgabenstellung/Idee etc. vollständig beschrieben werden (im Scrum-Kontext ist dies die User Story). Das Team bewertet den relativen Arbeitsaufwand mithilfe eines Kartensets mit Punktewerten, wie z.B. Fibonacci-Zahlen (1,2,3,5,8,13…). Dabei können die Zahlen für Zeitdauer oder auch für Komplexität stehen. Je größer die Zahl, desto größer wird auch der Abstand zur:m Vorgänger:in und Nachfolger:in. Die Karten werden von jedem Teilnehmenden verdeckt hingelegt und dann gemeinsam aufgedeckt. Bei großen Abweichungen kann die Person mit der höchsten und niedrigsten Bewertung ihre Beweggründe erläutern. Bei Bedarf wird diskutiert, anschließend wird noch einmal neu gewertet. Das Ergebnis wird gemeinsam diskutiert mit dem Ziel einer „Team-Bewertung“ des Aufwands.

Zweck und Absicht (Warum und wann anwendbar?)

Planning Poker, als Schätzmethode, fördert durch die vorerst individuelle, anonyme Bewertung der User Stories die Gruppendynamik. Jedes Teammitglied kann sich aktiv mit seinem Wissen beteiligen. Durch die unterschiedlichen Sichtweisen verschiedenster Teammitglieder („Fachleute“), können insbesondere komplexe User Stories bewertet werden. Die individuelle Schätzung mit verdeckten Karten vermeidet eine unbewusste Beeinflussung von bereits bekannten Zahlenwerten (Effekt der Ankerheuristik). Die gemeinsame Diskussion der Ergebnisse schafft eine grundsätzliche Akzeptanz, bindet alle Teilnehmer:innen mit ein und lässt mehr „Expertenwissen“ einfließen. Planning Poker als Methodik im Scrum kommt insbesondere in Software-Projekten zum Einsatz.

Flexibilität

Verwendung eines anderen Punktebewertungssystems.

Dauer

Ab 20 Min.
Ist abhängig von Komplexität der Ausgangssituation und dem Detaillierungsgrad.

Teilnehmer:innen

Bis 12 (Plenum)
Bei zu großen Gruppen führt es zu starken Ergebnisdifferenzen (→ Ineffizienz der Methode).

Aufwand

Nur die Karten notwendig.

Output

Maßzahl: einheitliche Bewertung Akzeptanz des Aufwands der User Story.

Onlinefähigkeit

Online kann diese Methode z.B. in der Mountain Goat Software durchgeführt werden.
Es gibt mit Mountain Goat Software LLC ein kostenfreies Online-Tool, um die Methode Planning Poker durchzuführen.

Material (Was brauche ich?)

Planungs- und Bewertungspokersätze der sbc (12 Sätze, Zahlenwerte mit Fibonacci-Folge), Kartenset für Planning

Anleitung (Wie gehe ich vor?)

Die Moderation (spielt selbst nicht mit) stellt dem Entwicklungsteam die User Story, also die erste zu schätzende Frage, sowie das Vorgehen vor. Für die individuelle Schätzung erhält jede:r Teilnehmende einen Satz Schätzkarten mit Punktwerten. Fordern Sie (als Moderator:in) jede:n Teilnehmende:n dazu auf, die Karte verdeckt abzugeben. 

Karten werden gemeinsam umgedreht und sichtbar gemacht, woraus sich drei mögliche Situationen ergeben:

  • Schätzwerte gleich – User Story/Idee/Aufgabe wird mit entsprechenden Story Points bewertet,
  • Eng beieinanderliegende Schätzwerte – User Story/Idee/Aufgabe wird mit höchstem Punktwert bewertet,
  • Stark divergierende Schätzwerte – Der Teilnehmende mit der höchsten und mit der niedrigsten Bewertung erläutert seine Beweggründe.

Bei Bedarf wird dies kurz diskutiert. Anschließend wird die Schätzrunde noch einmal durchgeführt. Falls kein Konsens in der Diskussion gefunden werden kann, können die Schätzung-Diskussion-Zyklen beliebig oft wiederholt werden, bis es zu einer Einigung kommt.
Bei keinem einheitlich erzielbaren Ergebnis verschieben Sie die Schätzung der User Story und überprüfen die Sinnhaftigkeit.