Kreativität
Kreativität ist machbar - hierzu haben wir die Methoden "6-3-5-Methode, Bisoziation, Six Thinking Hats und Walt Disney" zur Kreativität im Einsatz.
6-3-5 METHODE
Funktion
Der 6-3-5-Prozess beeinflusst die Teammitglieder:innen, indem bewusst auf der Sichtweise und dem Input der anderen aufgebaut wird, ohne, dass dominante Personen anderen ihre Ideen aufzwingen. Hierzu werden die aufkommenden Ideen schriftlich dokumentiert, wobei der anregende Effekt des klassischen Brainstormings in den Hintergrund tritt. Die Ideenfindung durch die Vorschläge der Vorgänger:in eingrenzt.
Zweck und Absicht
Die 6-3-5-Methode ist ein geeignetes Tool, um viele Ideen aufzunehmen und weiterzuentwickeln. Sie ist, im Gegensatz zum Brainstorming, eine stille Variante, die schriftliche Dokumentation der Ergebnisse, in einer einfachen und schnellen Form, beinhaltet.
Flexibilität
Anstelle von 6-3-5 sind andere Kombinationen möglich, z.B. 7-4-6 (7 Personen, 4 Ideen, 6 Minuten) oder 5-2-8. Die Durchführungsform ist von der
Anzahl der Personen mit guten Ideen und von der Komplexität der Ausgangssituation abhängig. Es kann auch effizient sein, den Personen mehr Zeit nach
jeder Ideen-Runde einzuräumen (z.B. 5-7-9-11-13-15 Minuten).
Dauer
Ab 30 Min.
Teilnehmer:innen
Ab 6 (Teamarbeit)
Ist abhängig von der Komplexität der Aufgabenstellung.
Aufwand
Aufwand zur Bereitstellung von Materialien.
Output
Maßzahl: Anzahl der angereicherten Ideen (optimal 108 Ideen bei 6-3-5), wobei es hierbei zu Redundanzen kommen wird
Onlinefähigkeit
Online kann diese Methode z.B. in Zoom in Kombination mit MURAL durchgeführt werden.
Die Moderation instruiert die Teilnehmer:innen über die Handhabung von Zoom und die Vorgehensweise. Das Thema wird in der Hauptsession diskutiert und festgelegt.
Die Teilnehmer:innen werden von der Moderation, abhängig von der Teilnehmeranzahl, in einzelne Breakout-Sessions unterteilt, um innerhalb von 5 Minuten drei Ideen zu zu entwickeln und notieren. Durch die Verwendung interaktiver Whiteboards (z.B. MURAL), werden die Ideen und Ansätze zum Thema erfasst. Kurz vor Abschluss der ersten Runde (30 sec.) werden die Teilnehmer:innen an den anschließenden Raumwechsel aufmerksam gemacht. Nach 5 Minuten werden von der Moderation manuell (teilnehmerorientiert) die Räume gewechselt (bei Wechsel Pufferzeit einplanen). Dieser Wechsel wird 5-mal wiederholt, sodass jede:r Teilnehmende in allen Breakout-Sessions aktiv war.
Abschließend werden in der Hauptsession die entstandenen Notizen besprochen und für die weitere Bearbeitung priorisiert.
Material (Was brauche ich?)
Karteikarten/Zettel und Stifte, Vorlage zur Ideensammlung,
Virtuelles Whiteboard (z. B. MURAL).
Anleitung (Wie gehe ich vor?)
Sechs Personen – drei Ideen auf Kärtchen – fünf Minuten pro Runde (alternativ: je ein Din A4-Blatt mit drei Spalten und sechs Zeilen).
Ausgehend von einem (Brainstorming-)Thema hat jede:r Einzelne des Teams (meist sechs Personen) fünf Minuten Zeit, um drei Ideen (ein Kärtchen pro
Idee) zu notieren.
Nach fünf Minuten gibt jede:r seine Kärtchen an die:den Nächsten weiter, die:der wiederum fünf Minuten Zeit hat, drei weiterführende Ideen zu den Vorhandenen
hinzuzufügen.
Dieser Vorgang wird fünf Mal wiederholt, bis jeder der sechs Personen alle Kärtchen bearbeitet hat.
TIPP:
Sorgen Sie dafür, dass die Teilnehmer:innen sich nicht gestresst und unter Druck gesetzt fühlen. Es kann effizienter sein, den Personen mehr Zeit
nach jeder Kärtchen-Runde zu geben.
BISOZIATION
Funktion
Die Technik der Bisoziation assoziiert und kombiniert Bilder und Begriffe aus fremden Sinnzusammenhängen und Beziehungsstrukturen und regt dazu an, etwas Neues zu erschaffen. Hierzu werden Denkgewohnheiten, Muster und vorgefasste Meinungen oder gewohnte gedankliche Assoziationen unterbrochen, um den Geist für neue Denkanstöße zu öffnen. Es ist eine Art bildhafte Variante der Reizwort-Technik.
Zweck und Absicht (Warum und wann anwendbar?)
Die Bezeichnung Bisoziation setzt sich zusammen aus Bi (=zwei) und Assoziation, dem (bildsprachlichen) Verknüpfen von Gedanken, Ideen, Vorstellungen und Erlebnissen, die nicht automatisch zusammengehören. Das Kreativitätstool Bisoziation ist somit geeignet, um in festgefahrenen Teams Kreativ-Blockaden zu lösen oder ein tieferes Verständnis von üblicherweise nicht in Verbindung stehenden Begrifflichkeiten und deren Zusammenhänge zu erhalten.
Flexibilität
Animieren der Teilnehmer:innen selbst Bilder auszusuchen und mitzubringen. Durchführung in Kleingruppen mit unterschiedlichen Bildern. Anstatt von Bildern können auch Schlagwörter, Filme oder Gegenstände verwendet werden.
Dauer
15 Min.
Teilnehmer:innen
Ab (Kleingruppen)
Aufwand
Nur der Aufwand für die Auswahl eines beliebigen Bildes.
Output
Maßzahl: neue, vorher unberücksichtigte Ideen aus unbekannten Blickwinkeln.
Onlinefähigkeit
Online kann diese Methode z.B. in MURAL durchgeführt werden.
In MURAL (digitales Whiteboard) kann das Bild im Vorfeld auf dem Board implementiert werden. Das Board funktioniert wie das Flipchart: die Assoziationen der Teilnehmenden können auf die virtuellen Kärtchen/Post-Its gesammelt und auf die Fragestellung übertragen werden. Die Ergebnisse aus der Beschreibung, Assoziation und Diskussion werden in MURAL dokumentiert.
Material (Was brauche ich?)
Ein beliebiges Bild, was Assoziationen schafft (z.B. eine Alpenhütte, kein Bezug zur Ausgangsfrage), Pinnwand oder Flipchart, Moderationskoffer
Virtuelles Whiteboard (z. B. Mural)
Anleitung (Wie gehe ich vor?)
Das Bild wird gut sichtbar für alle Teilnehmer:innen aufgehangen.
Die Gruppe nennt die Assoziationen zu den Bildern frei heraus. Jeder Beitrag wird auf einem Flipchart/ Pinnwand festgehalten. Die Moderation definiert, zusammen mit der Gruppe, das konkrete Problem oder Thema. Die Definition wird ebenfalls auf dem Flipchart notiert und gut sichtbar im Raum aufgestellt.
Die Gruppenteilnehmer:innen versuchen nun die gesammelten Begriffe auf das Problem zu beziehen und so neu zu assoziieren und zu kombinieren.
Alle Ideen und Konzepte werden schriftlich festgehalten und die Teilnehmenden ermutigt, ihre Denkanstöße zu äußern. Die aufgeschriebenen Ideen und Konzepte können nun bewertet werden (z.B. Punkte kleben) und im Anschluss tiefergehend bearbeitet und diskutiert werden.
Sie können bei größeren Gruppen auch Teilgruppen bilden und jeder Teilgruppe ein anderes Bild zur Verfügung stellen.
Six Thinking Hats
Funktion
Den Teilnehmer:innen wird entsprechend der Art oder Rolle, in der sie denken und diskutieren sollen, ein Hut (bzw. Armband, Tischkärtchen o.ä.) in der
zugehörigen Farbe gegeben. Vor der Diskussion ist es wichtig, sich auf die zugeordnete Farbe mit den geforderten Eigenschaften einzustellen und in der
Diskussion „in der Farbe“ zu bleiben. Es folgt die rollenspezifische Diskussion hinsichtlich einer (komplexen) Aufgabenstellung.
Zweck und Absicht (Warum und wann anwendbar?)
Das Sechs-Hüte-Denken ermöglicht eine umfassende Analyse und Bewertung von Aufgabenstellungen. Sie eignet sich besonders zur Bearbeitung komplexerer Aufgabenstellungen und zur Bewertung und Optimierung von bereits erarbeiteten Lösungen oder Ideen aus unterschiedlichen Perspektiven.
Flexibilität
Vorgabe der Eigenschaften der Hüte (geringer Interpretationsspielraum, Variation der Eigenschaften passend zur Aufgabenstellung) auf verschiedenste
Thematiken anwendbar.
Dauer
Ab 30 Min.
Muss davon abhängig gemacht werden, inwieweit sich die Teilnehmer:innen in die unterschiedlichen Rollen hineinversetzen können.
Teilnehmer:innen
Ab 6 (Plenum)
Aufwand
Bestehend aus benötigten Hilfsmitteln sowie der Einarbeitungszeit der Teilnehmer:innen in die unterschiedlichen Rollen durch die Moderation).
Output
Maßzahl: Umfassende Analyse und Bewertung des behandelnden Themas (neue Lösungshinweise, Ideen) sowie Einnahme unbekannter (ungewollter)
„Hüte“.
Onlinefähigkeit
Online kann diese Methode z.B. in MURAL durchgeführt werden.
Über MURAL kann ein Board passend erstellt werden. Bei Interesse an einer Vorlage kann sich auch an die sbc gewandt werden.
Mithilfe eines MURAL-Boards kann die Methode anschließend durch die Moderation und die Darstellung der verschieden farbigen Hüte durchgeführt
werden.
Material (Was brauche ich?)
Symbole für die sechs Hüte (Kappen, Schals, Karten etc.),
Medien zur Dokumentation der Ergebnisse (Flipchart, Laptop mit Beamer etc.).
Anleitung (Wie gehe ich vor?)
1.) Einarbeitung in Eigenschaften der Hüte
Der weiße Hut (Analytisches Denken / Konzentration auf Tatsachen / Objektive Haltung).
Der rote Hut (Emotionales Denken / Konzentration auf Gefühle und Meinungen / Subjektive Haltung).
Der schwarze Hut (Kritisches Denken / Risikobetrachtung, Probleme, Skepsis, Kritik und Ängste be-schreiben / Objektive Haltung).
Der gelbe Hut (Optimistisches Denken /Was ist das Best-Case Szenario /Spekulative Haltung).
Der grüne Hut (Kreatives, assoziatives Denken / Neue Ideen, Kreativität / Konstruktive Haltung).
Der blaue Hut (moderierendes Denken / Überblick über die Prozesse / Big Picture Haltung).
2.) Vorgehensweise
Alle Teilnehmer:innen setzen sich nacheinander die verschieden farbigen Hüte auf (bzw. Armband, Tischkärtchen o.ä.). Die Teilnehmer:innen werden auf Charakteristiken des Hutes eingestellt, indem die Moderation bei der Vorstellung der Technik die Teilnehmer:innen abholt und auf die jeweilige Rolle einstimmt (idealerweise durch schauspielerisches Vorstellen).
Beginn Sie den Austausch, indem alle Beteiligten sich hinsichtlich der Eigenschaften des Hutes zur Aufgabenstellung äußern. Halten Sie die Äußerungen schriftlich – am besten für alle sichtbar auf Pinnwänden/Flipcharts – fest.
Nach dem Einholen der Meinungsbilder eröffnen Sie die Diskussion.
Zukunftswerkstatt
Funktion
Die Zukunftswerkstatt bringt eine Gruppe zusammen, um ein gemeinsames Problem kreativ und auf Augenhöhe zu lösen. Alle Beteiligten sind gleichzeitig Expert:innen – ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Fantasie zählen gleichermaßen. Die Methode gliedert sich in drei aufeinanderfolgende Phasen mit klaren Spielregeln:
-
Kritikphase – Was stört uns? Was läuft schief?
-
Fantasiephase – Wie sähe eine ideale Zukunft aus?
-
Verwirklichungsphase – Was davon ist umsetzbar, und wie?
Zweck und Absicht (Warum und wann anwendbar?)
Die Zukunftswerkstatt eignet sich, wenn eine Gruppe ein konkretes Problem partizipativ bearbeiten und gemeinsam Lösungswege entwickeln möchte – etwa in der Organisationsentwicklung, im Projektmanagement oder in der Stadtplanung. Indem Kritik, Vision und Realisierung bewusst voneinander getrennt werden, löst die Methode festgefahrene Denkmuster auf und schafft Raum für echte Innovation.
Flexibilität
Die Methode lässt sich an viele Kontexte anpassen: vom Team-Workshop bis zur Bürger:innenbeteiligung, vom Kurzformat bis zu mehrtägigen Veranstaltungen. Die einzelnen Phasen können durch ergänzende Methoden bereichert werden, z. B. durch Brainstorming, Fantasiereisen oder Rollenspiele.
Dauer
Ab 2 Std. (Kurzformat); ideal 1–3 Tage (Vollformat)
Teilnehmer:innen
Ab 5 Personen (Kleingruppe); ideal 15–25 Personen im Plenum.
Aufwand
Vorbereitung von Moderationsmaterial und Visualisierungsflächen; eine erfahrene Moderation ist empfehlenswert.
Output
Maßzahl: Priorisierte Kritikpunkte, ausgearbeitete Zukunftsentwürfe sowie konkrete Maßnahmen mit Verantwortlichkeiten und Zeitplan.
Onlinefähigkeit
Online kann diese Methode z. B. in Zoom oder MS-Teams in Kombination mit einem digitalen Whiteboard (z. B. MURAL oder Miro) durchgeführt werden. Breakout-Sessions bilden die einzelnen Phasen ab; im Plenum werden Zwischenergebnisse zusammengeführt und priorisiert.
Material (Was brauche ich?)
Moderationskoffer, Pinnwände oder Flipcharts, Klebepunkte zur Priorisierung, Moderationskarten.
Online: Videokonferenztool (Zoom, MS Teams) und digitales Whiteboard (z. B. MURAL, Miro).
Anleitung (Wie gehe ich vor?)
1.) Vorbereitung
Die Moderation stellt Thema und Methode vor, klärt Erwartungen und erklärt die Spielregeln jeder Phase. Optional: Eine kurze Fantasiereise oder Aufwärmübung stimmt die Gruppe ein.
2.) Kritikphase
Die Teilnehmer:innen (TN) benennen offen, was sie am Status quo stört. Die Moderation sammelt alle Kritikpunkte sichtbar auf Pinnwand oder Flipchart. Anschließend wählen die TN per Klebepunkte-Voting die wichtigsten Themenbereiche für die nächste Phase aus.
3.) Fantasiephase
Spielregel: Alles ist erlaubt! Einwände und Sachzwänge haben hier keinen Platz. Die TN entwickeln zu den priorisierten Kritikpunkten utopische Gegenbilder – durch Brainstorming, Collagen oder Rollenspiele. Die Ideen werden gesammelt und zu konkreten Zukunftsentwürfen verdichtet.
4.) Verwirklichungsphase
Die utopischen Entwürfe treffen auf die Realität: Was ist umsetzbar, was muss angepasst werden? Die TN konkretisieren Maßnahmen, klären Verantwortlichkeiten, benötigte Ressourcen und einen realistischen Zeitrahmen.
5.) Nachbereitung
Die Ergebnisse werden dokumentiert und präsentiert. Ein verbindlicher Aktionsplan mit nächsten Schritten sichert den Übergang von der Werkstatt in die Praxis.
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