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sbc-Energie-Radar KW22/2026 Energy Sharing, StromVKG, Wärmespeicher

26. Mai 2026 – Was diese Woche trägt: Eine Woche bis zum Energy-Sharing-Start – und fünf Wochen bis zum Wärmeplan-Stichtag. Die Bundesregierung legt mit dem StromVKG ein weiteres Schwergewicht nach. Und in München geht ein 50-Meter-Wärmespeicher in Betrieb, der prägt, wie Fernwärme künftig läuft.

Das Wichtigste der Woche – kurz und knapp

  • Energy Sharing scharf geschaltet: Ab 1. Juni 2026 sind Verteilnetzbetreiber (VNB) verpflichtet, die gemeinschaftliche Nutzung von Strom aus Erneuerbaren in ihrem Bilanzierungsgebiet zu ermöglichen. Ohne intelligentes Messsystem (iMSys) geht aber nichts. (IWR, Kommunal)
  • Kabinett beschließt StromVKG: Das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz ist Kernstück der Kraftwerksstrategie. 9 Gigawatt Langzeitkapazitäten werden im September und Dezember 2026 ausgeschrieben, weitere Tranchen 2027 und 2029. (Bundesregierung)
  • Stadtwerke München nehmen 57.000-Kubikmeter-Wärmespeicher in Betrieb: Am Energiestandort Süd ist der größte Wärmespeicher Deutschlands angelaufen – 50 Meter hoch, an die Netze Innenstadt und Perlach angeschlossen, Sendling folgt. (stadt+werk)
  • Wärmeplan-Endspurt geht in die finale Phase: Fünf Wochen vor dem Stichtag 30. Juni haben laut dena weiterhin nur 56 Prozent der Großstädte ihre Planung abgeschlossen. NRW liegt durchschnittlich. (Der Neue Kämmerer)
  • VKU und BDEW positionieren sich zu GModG und StromVKG: Beide Verbände begrüßen die Signale, warnen aber vor Risiken bei Infrastrukturplanung und Investitionsbedingungen – insbesondere bei kleineren und mittleren Stadtwerken. (stadt+werk)

Energy Sharing am 1. Juni: Der Rechtsrahmen steht – die Realität hinkt hinterher

In einer Woche ist es soweit. Am 1. Juni tritt §42c Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) in Kraft – und damit eine völlig neue Rolle für das öffentliche Stromnetz. Vorher galt: Wer Solarstrom nicht selbst verbrauchte, speiste ihn ein. Jetzt gilt: Privatpersonen, kleine und mittlere Unternehmen, Kommunen und Energiegenossenschaften dürfen Strom über das öffentliche Netz mit anderen teilen – innerhalb desselben Bilanzierungsgebiets.

Was das heißt: Verteilnetzbetreiber sind ab dem Stichtag verpflichtet, das technisch zu ermöglichen. Stadtwerke dürfen als Hauptenergieversorger nicht selbst als Anlagenbetreiber auftreten – sie können aber als Dienstleister, Plattformbetreiber, Bilanzkreisverantwortliche oder Reststromlieferant fungieren. Voraussetzung für die Teilnahme: ein intelligentes Messsystem mit 15-Minuten-Messung. Und genau hier ist die Lücke: Nur 5,5 Prozent aller deutschen Haushalte verfügen Ende 2025 über ein iMSys. Die ersten Monate werden Pilotbetrieb mit individuellen Lösungen sein – flächendeckende Plattformen folgen erst später.

Relevanz für Stadtwerke und Netzbetreiber

Das Beratungsfenster ist offen: Stadtwerke müssen ihre Rolle aktiv definieren – Dienstleister oder Vollversorger. Wer die Kundenschnittstelle aus der Hand gibt, riskiert mittelfristig den Marktanteil. Für Verteilnetzbetreiber ist der 1. Juni eine harte Compliance-Frage: Prozesse, Marktkommunikation und Smart-Meter-Rollout müssen zusammenpassen. Sinnvolle Einstiegsformate: Pilot mit lokaler Energiegenossenschaft, Rollen-Workshop für die Geschäftsführung, Smart-Meter-Hochlaufstrategie.

StromVKG beschlossen: Kapazitätsmarkt kommt – und mit ihm die Subventionsfrage

Parallel zum Gebäudemodernisierungsgesetz hat das Kabinett am 13. Mai das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) beschlossen. Es ist Kernstück der Kraftwerksstrategie und soll dafür sorgen, dass im zunehmend elektrifizierten System auch in Dunkelflauten genügend steuerbare Leistung verfügbar ist.

Vorher: Kraftwerke verdienten allein über den Strommarkt – was bei steigendem Erneuerbaren-Anteil immer schwerer wurde. Jetzt: Im September und Dezember 2026 werden jeweils 4,5 Gigawatt „reduzierte Leistung" für Langzeitkapazitäten ausgeschrieben – das entspricht etwa 10 Gigawatt installierter Kraftwerksleistung. Verpflichtungszeitraum: 15 Jahre ab 1. November 2031.

Was das heißt: Gaskraftwerke werden über Kapazitätszahlungen quersubventioniert – finanziert über eine Umlage auf den Strompreis. Speicher und flexible Lasten dürfen erst ab den Tranchen 2027 und 2029 mitbieten. BDI und VDMA loben das Signal, BDEW und VKU sehen Schwächen im Ausschreibungsdesign, Umweltverbände kritisieren die fossile Pfadabhängigkeit. Das EU-Beihilfeverfahren läuft.

Relevanz für Stadtwerke und Netzbetreiber

Für Stadtwerke mit Erzeugungsambitionen wird die Frage konkret: an einer Ausschreibung teilnehmen oder nicht? Für Vertriebe heißt es: die Kapazitätsumlage in die Tarifkalkulation einplanen. Konkrete Beratungsthemen: Business-Case-Analyse für Gas-Neubau, Prüfung Bestandsanlagen für 2027/2029, Tarifmodellrechnung für 2027.

SWM-Wärmespeicher in Betrieb – die nächste Generation Fernwärme

Die Stadtwerke München haben am Energiestandort Süd ihren neuen Wärmespeicher im Probebetrieb genommen – 50 Meter hoch, rund 40 Meter Durchmesser, 57.000 Kubikmeter Bruttofassungsvermögen.

Vorher: Strom- und Wärmeerzeugung im Heizkraftwerk Süd liefen weitgehend gekoppelt – KWK-Anlagen mussten Wärme abnehmen, auch wenn der Strommarkt das gerade nicht honorierte. Jetzt: Der Speicher entkoppelt Erzeugung und Verbrauch. Strom kann produziert werden, wenn der Markt ruft – Wärme wird zwischengepuffert und abgegeben, wenn die Stadt sie braucht.

Was das heißt: Zwei Fernwärmenetze (Innenstadt, Perlach) sind bereits angeschlossen, Sendling folgt. Die Anlage gehört zu den größten in Deutschland und ist ein Präzedenzfall für Versorger, die ihre KWK-Strategie auf einen volatileren Strommarkt anpassen müssen. Das Investitionsvolumen liegt im hohen zweistelligen Millionenbereich, gefördert über das Bundesprogramm Effiziente Wärmenetze (BEW).

Relevanz für Stadtwerke und Netzbetreiber

Für alle Stadtwerke mit Fernwärmebetrieb ist München jetzt die Referenzfrage: Habt ihr Speicherpotenzial im Portfolio? Beratungsthema: Erzeugungsoptimierung im KWK-Park, Wirtschaftlichkeitsrechnung Großwärmespeicher, BEW-Förderantrag, Einbindung in den kommunalen Wärmeplan. In Essen relevanter Vergleichspunkt für die laufende Iqony-/SWE-Kooperation.

Wärmeplan-Stichtag: Fünf Wochen und zählen

Der 30. Juni rückt näher. Bis dahin müssen alle Kommunen ab 100.000 Einwohnern ihren kommunalen Wärmeplan vorlegen. Vorher: 56 Prozent der Großstädte hatten Stand April ihre Planung abgeschlossen. Jetzt: Die ersten Verspätungsmeldungen werden konkret.

Was das heißt: Wer den Termin reißt, läuft nicht in eine Sanktion – aber in eine politische und planerische Schieflage. Solange kein rechtskräftiger Wärmeplan vorliegt, gelten für den Heizungstausch verlängerte Übergangsregelungen aus dem alten Gebäudeenergiegesetz (GEG). Investitionsentscheidungen für Vermieter, Quartiersentwickler, Industrie- und Gewerbebetriebe verzögern sich. Und: Der Stichtag korrespondiert mit dem Energy-Sharing-Start am 1. Juni und der GModG-Inkrafttretung am 1. November – eine dichte Sequenz, die Stadtwerke in der Kommunikation mit ihren Kunden und Anteilseignern aktiv managen müssen. NRW-Großstädte stehen besonders unter Beobachtung, weil das Ruhrgebiet hohe Anteile fernwärmefähiger Quartiere hat.

Relevanz für Stadtwerke und Netzbetreiber

Letzte Schlussspurt-Aufgaben: politische Beschlussvorlagen, Konsultationsmanagement, Kommunikationsleitfäden für das „Was bedeutet der Wärmeplan für mich"-Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern. Für abgeschlossene Pläne beginnt jetzt die nächste Welle: Umsetzungs-Roadmap, Anschlusspriorisierung, Quartierscluster, Investitionsentscheidungen für Fernwärmeausbau und Hausanschlüsse.

Longread der Woche: Der MaBiS-Hub – die größte Marktkommunikations-Reform seit Jahren

Während Energy Sharing in einer Woche scharf gestellt wird, läuft im Hintergrund das größere Marktinfrastruktur-Vorhaben: Der MaBiS-Hub (Marktprozesse zur Bilanzierung Strom). Das BNetzA-Festlegungsverfahren BK6-24-210 bündelt künftig alle bilanzierungsrelevanten Daten in einer zentralen Plattform – weg von der heutigen Punkt-zu-Punkt-Marktkommunikation zwischen Netz, Lieferant, Messstellenbetreiber und Bilanzkreisverantwortlichem.

Der erste Festlegungsblock (Messwertverarbeitung, Pseudonymisierung) soll im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden, die Produktivsetzung des Hubs ist für das zweite Halbjahr 2028 vorgesehen, mit Test- und Anpassungsphase bis Ende 2029. Das Whitepaper von Stromhaltig.de fasst den Stand der zweiten Konsultation, Zeitplan, Architektur und Risiken zusammen – und macht deutlich, warum kleine und mittlere Stadtwerke jetzt anfangen sollten zu planen.

→ Stromhaltig Whitepaper: MaBiS-Hub – Status quo, Chancen, Risiken

Anknüpfungspunkte – Themen, die sich weiterentwickeln

Aus KW 21 (GModG-Kabinettsbeschluss): Das Gesetzgebungsverfahren ist im Bundestag angekommen. Der Bundesrat wird voraussichtlich im Oktober beraten. Für Eigentümer und Energieberater bleibt es bis zum 1. November ein Schwebezustand: Bis zum Inkrafttreten gilt das alte GEG mit 65-Prozent-Pflicht – aber wer heute eine Heizung tauscht, plant bereits für die neue Welt.

Aus KW 21 (§14a-Steuerkette): Die Anfang Mai vorgestellte End-to-End-Steuerkette von SMIGHT, Thüga SmartService und Robotron bekommt durch den Energy-Sharing-Start zusätzliches Gewicht: Beide Anwendungen brauchen das gleiche Fundament – iMSys, Smart-Meter-Gateway, BDEW-Web-API. Wer in §14a investiert, baut auch für Energy Sharing.

Aus KW 19 (Energy-Sharing-Vorbereitung): Damals stand die Frage im Raum, ob die Verteilnetzbetreiber am 1. Juni technisch und prozessual liefern. Jetzt zeigt sich: Der Rechtsrahmen ist da, die Plattformen kommen aber erst sukzessive – und ohne flächendeckenden iMSys-Rollout bleibt die operative Reichweite begrenzt. Die ersten Wochen werden Pilotbetrieb sein.

NRW und Essen – regionale Termine und Entwicklungen

Wärmeplanung Essen vor der Ziellinie: Die Stadt Essen ist gemeinsam mit Stadtwerken Essen, Iqony Fernwärme und Westnetz auf der Zielgeraden für den 30. Juni. Die Anfang Mai erweiterte Partnerschaft zwischen Iqony Fernwärme und SWE zur Kopplung von Niedertemperatur- und Hochtemperatur-Netzen liefert dazu den technischen Rahmen. (Stadt Essen KWP)

IN4climate.RR-Konferenz Industrietransformation – 9. Juni, Bergheim: NRW.Energy4Climate, Wirtschaft und Politik diskutieren in Bergheim, wo der Strukturwandel im Rheinischen Revier konkret Energie braucht. Für Berater im Ruhrgebiet ein lohnender Tag, weil die Themen industrielle Abwärme, Wasserstoff und kommunale Infrastruktur eng verzahnt sind.

Offene Sprechstunde Kommunale Wärmeplanung – 10. Juni, online: Niedrigschwelliges Format von NRW.Energy4Climate für alle, die im Schlussspurt fachliche Fragen haben – oder die nach dem 30. Juni in die Umsetzung wollen. (NRW.Energy4Climate Events)

BDEW-Kongress – 10. bis 11. Juni, Berlin: Der Branchen-Pflichttermin nach dem GModG-Kabinettsbeschluss und vor dem Wärmeplan-Stichtag – mit den BDEW-Spitzen, Bundesnetzagentur und politischer Präsenz. Wer in den nächsten Wochen Beratungsmandate akquirieren möchte, sollte hier Präsenz zeigen.

Smalltalk-Stoff für den nächsten Kundentermin

94,5 Prozent der deutschen Haushalte können am 1. Juni nicht mitmachen. Energy Sharing wird scharf gestellt – aber technisch sind nur 5,5 Prozent der Haushalte vorbereitet. Stromnetz Berlin liegt mit 53 Prozent Smart-Meter-Quote vorn. Spitzenreiter unter den Kleinen: die Stadtwerke Lübz in Mecklenburg-Vorpommern, mit 100 Prozent Rollout. Davon hört man im Bundesvergleich selten – aber genau dort sind die ersten Energy-Sharing-Communities sofort betriebsbereit.

57.000 Kubikmeter Fernwärmewasser passen in den Stadtwerke-München-Speicher. 50 Meter hoch, 40 Meter Durchmesser – das ist die neue Referenz für Stadtwerke mit Fernwärmebetrieb. Zwei Netze sind bereits angeschlossen, das dritte folgt. Wer in Essen, Dortmund oder Duisburg an ähnliche Dimensionen denkt, sollte sich München Sendling-Süd genauer anschauen.

Vertiefung – Themen aus dem sbc-Beratungsportfolio

Zu den dominanten Themen dieser Ausgabe findest du auf unseren Themenseiten den fachlichen Hintergrund:


sbc soptim business consult GmbH · Essen. Wir sind die Beratung für die Energiewirtschaft zu Smart-Meter-Rollout, Wärmewende, Netztransformation, Innovation und Digitalisierung.

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Ausgabe 13 · KW 22/2026 · 25. Mai 2026

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